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Der Fiakerfahrer und das gekränkte Pferdegefühl: Salzburgs empörte Klick-Aktivisten

Wir haben sie alle gesehen, die grauenerregenden Bilder aus Salzburgs pittoreskem Residenzplatz, wo sich ein Fiakerfahrer dazu hinreißen ließ, seinem stolzen Rösslein eine Lektion zu erteilen, die in der Mensch-Tier-Kommunikation doch eher unüblich ist. (Hier gehts zum YouTube-Video) Ja, Sie haben richtig gehört, mein lieber Leser. Es wurde nicht gekuschelt, nicht geliebkost, sondern – Achtung, Trommelwirbel – geschlagen!

Der Fiakerfahrer, ein Mann mit offensichtlich abstrusen Vorstellungen von Pferdepflege, der wahrscheinlich als Kind nie ein Plüschtier zum Kuscheln hatte, schlug mit der Hand zu. Einmal, zweimal, dreimal, der Taktgeber in einem verzerrten, perversen Walzertanz. Und da war es, das sprichwörtliche Pferd im Porzellanladen, das vor Schreck zurückwich und seine treuen, ängstlichen Augen auf die brutale Szenerie richtete.

Zügel reißen, Herzen brechen

Natürlich, reichte der Fausttanz nicht aus, unser Pferdeflüsterer à la Marquis de Sade entschied sich für einen weiteren sadistischen Schachzug. Er riss am Zaumzeug – eine mittelalterliche Technik, die in der Inquisition wahrscheinlich als zu barbarisch abgelehnt wurde. Und wir alle wissen, die Mundpartie eines Pferdes ist ein sensibles Pflänzchen. Genau genommen so sensibel wie das gebeutelte Ego eines Social-Media-Influencers, der gerade eine Online-Streitschrift über seine neueste Hautpflegeroutine ertragen musste.

Der stille Beobachter, der leise Versager

Dann, natürlich, nicht zu vergessen, unser lieber Freund, der stille Beobachter. Ein weiterer Fiakerfahrer, der die ganze Szenerie genoss wie eine langweilige Oper, seine Augen so leer wie seine Moral. Offensichtlich ein tiefer Denker, ein stummer Philosoph in seinem unsichtbaren Meditationsgarten. Statt jedoch das gequälte Pferd mit seinen feinsten Mantras zu retten, zog er es vor, die Beine in die Hand zu nehmen. Weil, klar, warum sollte man sich mit Unannehmlichkeiten auseinandersetzen, wenn man sie einfach verdrängen kann? Dafür gibt’s schließlich Therapeuten und Klick-Aktivisten.

Die tapferen Ritter der Smartphone-Ära

Moment mal, da waren ja noch diese noblen Ritter des 21. Jahrhunderts! Unsere geliebten Passanten, ausgestattet mit dem neuesten Zauberstab der Technik, ihrem Smartphone. Sie stellten sich heldenhaft der Herausforderung… des Filmerstellens. Ein ohrenbetäubendes “Halt!” rufen oder dem misshandelten Pferd zur Seite stehen in dem man die Polizei verständigt? Na, das wäre doch viel zu altmodisch, zu hands-on. Wozu sich handeln, wenn man auch digital auf der sicheren Seite stehen kann?

Stattdessen wählten sie den einfacheren, weniger schmutzigen Weg: Kamera raus und Action! Sie drehten den Spielberg in sich auf und zoomten, wackelten und klickten sich in den Heldenstatus. Bravo! Sie wissen eben, dass ein gutes Beweisvideo Gold wert ist.

Tastatur-Tyrannen in Aktion

Nun, bevor wir es wussten, raste der Skandal schneller als ein vom Blitz getroffenes Pferd über die unendlichen Weiten des Internets. Ach, die große Welle der Empörung! Wie sie sich aufbaute, wogte und schäumte – ja, es war ein Schauspiel, das selbst die härtesten Nordseestürme alt aussehen ließ.

Und dann unsere wackeren Ritter des Digitalzeitalters, ach, wie sie sich in den Kampf stürzten! Aber Moment mal, das waren ja keine Ritter, sondern Tastatur-Tyrannen! Jeder mit einem Smartphone bewaffnet, versteckt in der Sicherheit ihrer gemütlichen Sofas, nutzten sie ihre Waffen – oh, ich meine Tastaturen – mit ungeahnter Fertigkeit. Sie kommentierten, teilten und verzierten jeden Beitrag mit den fiesesten Smileys, die die Emoji-Bibliothek zu bieten hatte. Und das alles während die Tagesschau im Hintergrund lief! Kein Bedarf an Mut hier, nein, Sir! Nur schnelle Daumen und eine stabile WiFi-Verbindung. Ein wahrlich ritterliches Schlachtfeld der modernen Zeit.

Schlusswort: Schamlose Schönredner und passiver Protest

Ja, liebe Leser, das ist die wahre Geschichte, die hinter den erschütternden Bildern steckt. Ein Fiakerfahrer, der wohl eher in einer Boxhalle als auf dem Kutschbock hätte landen sollen, ein Pferd, das seine Zuneigung vermutlich eher auf die karottenliebenden Kleinkinder als auf seinen aggressiven Führer gerichtet hätte, passive Beobachter, die lieber das Drama für ihre Social-Media-Kanäle festhalten, statt aktiv etwas zu tun, und eine Armee von digitalen Wutbürgern, die ihre Empörung lieber bequem vom heimischen Sofa aus zum Ausdruck bringen.

Aber was soll’s? Am Ende des Tages ist es doch einfacher, über Ungerechtigkeiten zu klagen, als tatsächlich etwas dagegen zu tun. Ist es nicht so? Klar, wir sind alle schockiert, entsetzt, fassungslos. Aber hey, solange wir uns auf Facebook, Twitter, Snapchat, Tiktok und Co empören können, ist doch alles in Ordnung, oder? Wer braucht schon Courage und Mut in einer Welt, in der ein Hashtag ausreicht, um sich als Verteidiger der Schwachen und Unterdrückten zu positionieren?

Und während wir uns mit unseren Tweets und Posts selbst auf die Schulter klopfen, geht unser Fiakerfahrer wohl schon wieder seiner “Arbeit” nach. Aber keine Sorge, liebe Tastatur-Tyrannen, das nächste empörende Video ist sicher schon in Arbeit. Und dann können wir uns wieder alle gemeinsam empören und dabei zusehen, wie die Welt ein kleines bisschen schlechter wird. Nur keine Angst, wir haben ja unsere Smartphones.

PS: Nutze dein Smartphone doch mal kurz für was ganz sinnvolles und trage deinen Teil für eine bessere Welt bei und unterschreibe die Petition für ein Verbot der Fiaker in Salzburg des Verein gegen Tierfabriken. Bereits über 26.000 Menschen haben das gemacht. Auch wenn es anscheinend niemanden interessiert (Link).

Haftungsausschluss: Dieser Artikel enthält Spuren von Sarkasmus und Ironie. Leider basiert er auf einer realen Begebenheit. Es wird daran erinnert, dass Zivilcourage ein unverzichtbarer Teil unserer Gesellschaft ist. Es erfordert Mut, in Situationen einzugreifen, in denen Unrecht geschieht – wie in der hier beschriebenen Situation mit dem Pferd und dem Fiakerfahrer. Niemand, ob Mensch oder Tier, sollte sich in einer Position der Hilflosigkeit wiederfinden und von uns erwarten, dass wir einfach nur zuschauen, filmen und später unsere Empörung ausdrücken. Mut bedeutet, aktiv zu werden, wenn es darauf ankommt (auch einfach nur die Polizei zu verständigen, Tierquälerei ist strafbar). Denn in solchen Situationen würden wir uns das Gleiche wünschen, wenn wir in der Rolle des Leidtragenden wären.

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